Sonntag, 21.01.2018 15:27 Uhr

Das Neue Jahr

Verantwortlicher Autor: SIR F.E.Eckard Prinz von Strohm Windeck, 31.12.2017, 16:43 Uhr
Fachartikel: +++ Special interest +++ Bericht 7407x gelesen

Windeck [ENA] „Einen guten Rutsch“ wünschten sich die Leute gestern, d.h. einen guten Anfang, denn das meint das hebräische Wort „rosch“, das wir zu „Rutsch“ umgeformt haben. Jedes neue Jahr ist in der Tat ein Anfang, und den ersten Tagen wohnt ein besonderer Zauber inne, der Zauber des Unberührten und Neuen, der Reiz des Unbekannten und Verlockenden. Wir fassen gute Vorsätze um uns selbst zu beweisen.

All die Hoffnungen und Befürchtungen, die wir im Herzen tragen, bringen wir vor Gott, der die Zeiten kennt. Was immer da vor uns steht – der entscheidende Anfang ist bereits gemacht. Denn Gott ist auf die Erde gekommen und hat die Zeit zu einem Neuanfang gesetzt, den niemand mehr rückgängig machen kann. Darum ist es angemessen, den ersten Tag im Jahr der Muttergottes zu weihen, weil wir ihr den neuen Anfang, den Gott mit der Menschheit gemacht hat, verdanken. Weil sie Ja gesagt hat zu Gottes Plänen, konnten diese Wirklichkeit werden. Durch ihren Glauben ist das Tor zum Himmel wieder geöffnet worden. Darum nennen wir sie unsere himmlische Mutter.

Über ihre Glaubenshaltung wird im Evangelium eine kurze Bemerkung gemacht, die wir nicht achtlos übergehen sollten: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ Sie begriff nicht alles, was da geschehen war, aber sie versuchte es zu verstehen, indem sie es in ihrem Herzen bewahrte. Nicht nur in ihrem Gedächtnis, nicht nur mit ihrem Verstand! Das Herz ist der Sitz der Gefühle, das Vermögen des Willens und der Liebe. Maria setzte ihre ganze geistige Kraft ein, um das Geschehen, das Gott gewirkt hatte, in rechter Weise würdigen zu können.

So wie sie ihren Sohn neun Monate unter ihrem Herzen getragen hatte und mit ihm schwanger ging – mit ihrer ganzen Liebeskraft und Zuneigung –, so trug sie nun das Gehörte und Gesehene in ihrem Herzen, um davon ganz erfüllt und durchdrungen zu werden. Dieses ganz erfüllt und durchdrungen Sein hat nicht nur neun Monate gedauert, sondern ihr ganzes Leben; und auf diese Weise hat Maria eine Weisheit erlangt, die selbst Salomo nicht besaß, ist sie selber zum „Sitz der Weisheit“ geworden.

Wie kann das Jahr 2018 zu einem guten Jahr werden? Die meisten meinen, dazu müssten wir mehr Geld haben, eine bessere Wirtschaft, eine funktionierende Altersversorgung usw. Doch dies alles kommt erst an zweiter Stelle, wenn es überhaupt kommt. Zuerst ist Weisheit vonnöten, ein Urteilsvermögen, das die Dinge ins rechte Licht zu stellen vermag und das die Rangfolge der Werte beachtet. Solche Weisheit fällt nicht vom Himmel und lässt sich auch nicht in einem Kurs mal eben so nebenbei erwerben. Sie ist die Frucht langen Nachdenkens und Meditierens, und zwar über die zentralen Geschehnisse der Geschichte, über das, was Paulus die „Fülle der Zeit“ nennt.

Der Dichter Friedrich Spee beschreibt dieses Nachdenken in einfachen Worten: „In seine Lieb versenken will ich mich ganz hinab.“ – Das kann jeder, dazu braucht man kein Studium, dazu braucht man nur eine Geisteshaltung, wie Maria sie uns exemplarisch vorgelebt hat. Ihr inniger Glaube hat Maria zu einem tiefsinnigen und weisen Menschen gemacht. Am Neujahrstag sollen wir sie uns zum Vorbild nehmen, damit auch wir an Tiefe und Weisheit gewinnen. Dann rutschen wir nicht einfach ins nächste Jahr hinein, sondern fangen es auch gut an und dürfen die Hoffnung haben, dass Gott alles, was er mit uns zusammen anfängt, auch zu einem guten Ende führt.

Silvester und Neujahr sind im Leben des Menschen eine Zeit des Neubeginns und des Nachdenkens. Wir stellen uns die bange Frage: Was wird das Neue Jahr uns bringen? Niemand weiß es. Es kann Vieles passieren: Gutes und Schlechtes. Die Zukunft ist absolut verborgen. Vielleicht beschleicht einige von uns ein bisschen die Angst vor der unbekannten Zukunft. Andere sind dagegen sehr zuversichtlich und optimistisch. Was wir selber geplant haben, das wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch so geschehen, aber selbst da kann uns ein Strich durch die Rechnung gemacht werden. Bei aller Ungewissheit wissen wir jedoch eins mit Sicherheit: Gott wird mit uns sein, er wird uns das ganze Jahr begleiten.

Dieses Vertrauen kann uns die Angst vor der unbekannten Zukunft nehmen. Darum ist es sinnvoll und gut, das Neue Jahr in Gottes Hände zu legen und den barmherzigen Gott um seinen Segen zu bitten. Ein bewegendes Beispiel gibt uns der evangelische Pfarrer Dr. Dietrich Bonhoeffer, der im Jahre 1944 in der Silvesternacht ein Gebet in Versform niederschrieb, das bis heute bekannt ist und oft und gerne gesungen wird. Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar. So will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Dietrich Bonhoeffer hatte ein schweres Jahr hinter sich. Freunde waren im Krieg gefallen, andere standen an der Front, waren im Gefängnis oder im Konzentrationslager. Er selbst war verhaftet worden, nachdem der Anschlag auf Hitler am 20. Juli missglückt war. Vor dem Volksgerichtshof in Berlin wurde Bonhoeffer der Prozess gemacht: er wurde zum Tode verurteilt. Vor diesem Hintergrund müssen wir die Zeilen lesen, die er nach Hause geschrieben hat: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss auch jeden neuen Tag.

Aber noch ein anderes Wort verdanken wir Dietrich Bonhoeffer aus jener schweren Zeit, in der ein dunkler Schatten über unserem deutschen Volk lastete und die Nazis dabei waren, zuerst die Juden auszurotten und anschließend jeden bekennenden Christen einzusperren oder zu töten. Bonhoeffer sah schon damals den Glaubensschwund der kommenden Generation voraus, der die späte Folge des nationalsozialistischen Giftes sein sollte. Aber er sah ebenso prophetisch das Gegenmittel voraus, die Treue und Gerechtigkeit der stillen Beter:

„Es liegt nicht an uns, den Tag vorauszusagen – aber dieser Tag wird kommen –, wenn die Menschen von neuem aufgerufen werden, das Wort »Gott« so auszusprechen, dass es die Welt verändern und erneuern kann. Das wird eine neue Redeweise sein, vielleicht ganz und gar unreligiös, aber befreiend und erlösend wie das Sprechen Jesu, über das sie sich entsetzten, von dem sie aber zutiefst betroffen waren. Das wird ein Sprechen in neuer Gerechtigkeit und Wahrheit sein, ein Sprechen, das den Frieden unter den Menschen und das Kommen des Reiches Gottes ankündigt. ‚Wenn sie von all dem Guten hören, das ich tue, dann werden sie zittern und beben wegen all des Guten und des Heils, das ich ihm erweise. ‘ (Jer 33,9)

Wir brauchen solche aufmunternden Worte wie das tägliche Brot, damit wir die Hoffnung nicht verlieren. Denn ohne Hoffnung können wir niemandem helfen. Schon viel zu viele haben sich die Parole „Rette sich, wer kann“ zu eigen gemacht. Da wird das Wort »Gott« nur noch heuchlerisch in den Mund genommen, Wahrheit und Gerechtigkeit zählen dann nicht mehr. So ausgesprochen, erreicht das Wort »Gott« die Menschen von heute nicht mehr. Es verkommt zur hohlen Phrase, und es schieben sich dann in unser Leben immer mehr rein weltliche Angelegenheiten und Denkweisen in den Vordergrund.

Unser Leben lässt sich zwar weiter aufrechterhalten, aber ohne positiven Einfluss auf den gesellschaftlichen Frieden, denn ohne Wahrheit und Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden. Der von Bonhoeffer zitierte Vers aus dem Buch der Sprüche weist uns darauf hin, dass tatsächlich jeder einzelne, und sei er noch so unvermögend, einen Beitrag zum Frieden leisten kann, nämlich durch seine Liebe zur Wahrheit und zur Gerechtigkeit: Doch der Pfad der Gerechten ist wie das Licht am Morgen; es wird immer heller bis zum vollen Tag.’ (Spr 4,18)

Die zentrale Bedeutung der Wahrheit für den Frieden können wir auch aus der folgenden Überlegung erkennen: Aller Unfriede hat seine Wurzel darin, dass die Menschen gegensätzliche Interessen haben, Interessen, die in Konkurrenz miteinander stehen. Das Interesse des Menschen geht darauf, sein Leben zu erhalten und zu steigern – notfalls auch gegen das Leben des anderen. So ignorieren die meisten Menschen in Europa die islamische Gefahr und stecken lieber den Kopf in den Sand. Die Wahrheit dagegen beruht auf der Fähigkeit, das Leben aller zu erhalten. Wer die Wahrheit liebt, will nicht nur sich selbst am Leben erhalten, sondern auch den anderen, ja, jeden anderen Menschen.

So gesehen, ist das Selbstinteresse die Schrumpfform der Wahrheit, eine Verstümmelung der universalen Wahrheit. Die Wahrheit dagegen, die das Leben aller Kreaturen erhalten will, ist ein Ideal, das es nur in Gott gibt, und darum gibt es den wahren Frieden auch nur in Gott und durch Gott. Am Weihnachtsfest wurde uns der Sohn Gottes geschenkt, der Friedensfürst. „Allen, die ihn aufnahmen, gab Gott Macht, Kinder Gottes zu werden“ (Joh 1,12). Maria war die erste, die den Friedensfürsten aufnahm, und sie war auch diejenige, die das Geschehene im Herzen bewahrte und darüber nachdachte (Lk 2,19), so dass es in ihr zu reicher Frucht heranreifen konnte.

„Am Anfang dieses neuen Jahres bitten wir die Gottesmutter Maria, dem gesamten europäischen Volk zu helfen, jeder Lage Herr zu werden, damit unser christliche Glaube nicht untergehen möge. Mögen wir auf die Fürsprache der Gottesmutter hin eine immer größere Wertschätzung unseres christlichen Glaubens und unserer Kulturen in der Welt und unseren Herzen festigen, um den nachwachsenden Generationen eine unbeschwertere und sicherere Zukunft übergeben zu können.“ Ich wünsche uns allen ein friedvolles, gesegnetes neues Jahr

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Photos und Events Photos und Events Photos und Events
Info.